Die Lichtung des Appletree Garden.

Die Erstveröffentlichung dieser Bildstrecke inklusive Festivalnachbericht gibt es auf krosse.info!

Nach meinem Maifeld Derby Debüt bringt der Festivalsommer 2016 auch meinen ersten Appletree Garden Besuch mit sich. Dieses sagenumwobene "Indie"-Festival, das jährlich schon zu Jahresbeginn ausverkauft ist, obwohl gerade einmal die ersten 4-5 Bandbestätigungen auf Facebook die Runde machen. Ein Diepholzer Festival mit familiärem Flair mitten auf einer kleinen Waldlichtung; Zwischen Hängematten, bunten Fahnen und Regenschirmen in den Bäumen stehen drei Bühnen. Diese werden nicht simultan bespielt, so pendelt man zwischen Zirkusvorstellung oder Lesung, der kleineren Waldbühne und der Mainstage hin und her ohne etwas verpassen zu müssen. Es gibt keine langen Wege beim Appletree Festival; bei knapp 5000 Besuchern ist auch der Weg zum Camp kein Tagesmarsch, eher ein 5-Minuten-Walk. Irgendwie mag man sich aber auch nicht von der magischen Baumumkesselung entfernen; Bierpreise sind fair und die Falafeln sind gut gewürzt - wozu also auch zum Campingplatz?

Ha, tatsächlich gab es auch auf dem Camping-Gelände einige Sehenswürdigkeiten, die mich auch nach Programmende wach gehalten haben. Darunter zum Beispiel die APSPRI-Bar, eine von Festivalbesuchern selbstgezimmerte Theke mit Gin und Aperol-Spritz Ausschank. (Eine kleine Gallerie dazu im KROSSE-Nachbericht.) Bis auf wenige Ausreißer sind die Festivalbesucher sympathisch, offen und genießen die ruhige, hippe Atmosphäre im und vor dem Apfelwald. Viele tragen Glitzer, Klebetattoos und Blumenkränze auf Haut und Haar. Und vor den Bühnen ragen Lufttiere in die Luft, erzeugen dabei fast schon etwas Glastonbury-Feeling. Dennoch: Das Gelände ist ein Traum, zumindest durch die Baumumrandung ebenso abgekapselt vom Alltag.

 

Die Musik als atmosphärisches Beiwerk

Zurück zur Musik: Schon vorab hatte ich kaum favorisierte Acts auf dem diesjährigen Festival. Viele sind mir bis dato sogar unbekannt gewesen oder sind mir einfach nicht im Ohr geblieben. (Ach, und wer ist eigentlich AnnenMayKantereit?) Überraschungsentdeckungen blieben aus. WOMAN überzeugen mich erneut, wie schon auf dem Maifeld Derby, und Roosevelt war noch mehr funky als im Stream. In vielen Stunden fehlte es mir an einer musikalischen Klimax und vor allem einem knalligen, abschließenden Höhepunkt.  Stattdessen klangen die ersten zwei Abende über viele Stunden hinweg langsam in die Nacht aus - ziemlich elektronisch, sehr monoton. So schließt mein Abend im Schnitt eher an der besagten Sperrholztheke, mit Arctic Monkeys, Wombats und Chet Faker aus den verzerrten Lautsprechern einer Autobatterie-Musikanlage. 

WOMAN's 'Psychedelic Lover' toppt alles - daher auch als Soundtrack zur Scroll-Reise durch die Bilder. 

Der Secret-Höhepunkt

Nein, der hypnotisierende Strickpulli von David Jankowiak ist noch nicht das Ende dieses 69-seitigen Bilderbuchs - es geht noch edler. Etwa 6 Stunden vor diesem Schnappschuss fiel nämlich ein goldener Stoff. Obwohl man die Band bereits backstage beim Mittagessen traf und Sänger Maurice sich sogar für kurze Zeit mit Kapuze auf das Festivalgelände begab; das Geheimnis um den mit Spannung erwarteten Secret-Act - und sicher auch Headliner des Wochenendes - blieb gefühlt für die meisten ungelüftet bis schließlich der Vorhang fiel. Lauschte man zuvor Gesprächen auf dem Festivalgelände, so fielen Namen wie Abby, Chet Faker oder auch alte Appletree-Bekannte wie Kakkmaddafakka und Jack Garratt. Sicher wäre keiner der genannten Acts eine schlechte Wahl gewesen, aber einen solch goldig glänzenden Festivalabschluss kreieren nur die Wiener von Bilderbuch. Ein Vorhang aus feinster Seide, eine Seifenblasenarmee und MASCHIN. Bilderbuch fetzen eben, keine Frage. Ich habe schon während der drei ersten Songs im Bühnengraben mehr mitgesungen und -gewippt, als meine Kamera gezückt. Dennoch im Folgenden ein paar visuelle Impressionen zum Bilderbuch Gig: